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Geschichte – Identität – Perspektive

 

Landleben in Mecklenburg - Vorpommern

Warum passiert auf dem Land (MV) alles scheinbar 50 Jahre später? Dieses Klischee vermittelt einerseits etwas Beruhigendes. Veränderungen kommen nicht abrupt, sondern allmählich, scheinbar verträglich, selbst wenn die Welt ringsum zusammenbricht wird es schon nicht so schlimm kommen. Anderseits  wird das Bild geprägt durch eine Realitätsverweigerung, mangelnde Auseinanders-etzungsfähigkeit und Rückwärtsorientierung.
Wie passt diese Wahrnehmung in eine global vernetzte Welt, die ihre positiven, wie negativen Effekte bis in die letzten Ecken ländlicher Räume trägt? Der ländliche Raum ist mit vielen Vorurteilen und Klischees verbunden. Im Lauf der Jahrhunderte erlebte er mehrere Metamorphosen. Als Kulturlandschaft wurde er urbanisiert, gestaltet, optimiert und ausgebeutet.  Er war Rückzugs- und Fluchtort, und er war Innovationsort und Labor für gesellschaftliche Modelle, Aussteigerphantasien und wirtschaftliche Verwertungsideen.



Momentan befindet sich der ländliche Raum in einem Umbruch. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt seit dem Jahr 2000 in Städten. Eine Entwicklung die sich in einem urbanisierten Deutschland schon über einen längeren Zeitraum vollzieht. Dabei werden durch den Wegzug der jüngeren Generationen und dem damit verbundene Demografische Wandel ganze Regionen entvölkert. Was passiert mit den frei gewordenen Ressourcen? Wird die hochtechnologisierte Landwirtschaft menschenleere Räume, die durch ferngesteuerte Maschinen belebt sind, erzeugen? Werden neue Wälder aus Windrädern und Solaranlagen die Landschaft prägen? Werden punktuell Rehabilitationszentren, Altersheime und Tourismusanlagen das Bild des ländlichen Raums bestimmen? Oder wird die Konzentration der Menschen in städtischen Ballungsgebieten und den damit verbundenen Kostensteigerungen, den schlechteren Lebensbedingungen die Menschen wieder auf das Land treiben?

Wir wollen der Frage nachgehen, ob es dazwischen noch andere Wege, Ideen und Ansätze gibt den ländlichen Raum zu leben? Zwischen der Wiederentdeckung alter/traditioneller Ressourcen und der Anwendung moderner Technologien und globaler Vernetzung, setzen wir auf eine Wiederentdeckung und Neuerfindung des ländlichen Raumes.


Um diesen Ansatz zu verfolgen starten wir eine Serie von Veranstaltungen und Workshops, die sich beginnend mit den historischen Prozessen und Entwicklungen von Wirtschaft, Kultur, Politik im ländlichen Raum auseinandersetzen.

Welche Entwicklungen hat der ländliche Raum  durchlebt, welche innovativen Lösungen sind hier entstanden, welche regionalen Effekte kamen dabei zum Tragen? Wie haben diese Prozesse die Zivilgesellschaft, das Gemeinwesen im ländlichen Raum geprägt? Warum haben sich Einstellungen und Verhaltensweisen so herausgebildet wie sie sind, warum sind erfolgreiche Ansätze im Verlauf gescheitert, oder konnten sinnvolle Erneuerungen nicht umgesetzt werden?

Unser Ziel ist es aus den historischen Erfahrungen heraus eine Brücke in die Gegenwart zu schaffen und regional tragfähige Muster für denkbare Perspektiven abzuleiten.

Ausgangssituation
Der Standort Bröllin ist exemplarisch für viele Gutshöfe und Landgüter in der Region. Im 19. Jahrhundert setzte mit der industriellen Revolution eine umfassende Umbruchbewegung im ländlichen Raum ein. Viele durch den Adel seit Generationen betriebene Güter gingen zu Ende des 19. Jahrhunderts in Konkurs. Es folgte eine Zeit des häufigen Besitzerwechsels. Die neuen Eigentümer kamen oft aus dem Bürgertum und brachten eine neue Unternehmenskultur ein.
Die erste historische Erwähnung Bröllins ist auf das Jahr 1233 datiert, als der Ort noch Bralin hieß, benannt nach seinen damaligen Eigentümern. Dieselbe Familie war auch im Landregister von 1375 als Besitzer eingetragen, dann unter dem Namen Brellyn. Den Aufzeichnungen zufolge bemaß sich das Land auf 50 ‚Hufen’ (Höfe). Zwischen 1375 und 1738 gehörte das Gut der Familie von Lindstedt, die ab 1400 auf Bröllin saßen. Nachdem der junge B. H. von Lindstedt von der Armee desertiert war, übergab der preußische König Friedrich Wilhelm I. das Anwesen an einen von Görne, der es wiederum an die Prüwer Familie verkaufte.
Die Prüwers erweiterten den landwirtschaftlichen Betrieb Bröllins und erbauten das benachbarte Dorf Friedrichshof, wo sie Landarbeiter und Schafshirten ansiedelten, die ihrerseits Steuern an Bröllin zahlten. Friedrichshof blieb unter der Verwaltung von Bröllin, bis es 1931 von einer kommunalen Siedlungsgesellschaft erworben wurde [6].
Im Jahr 1854 wurde das Land von der Familie Stoewahs erworben. Dies war eine Zeit des enormen Wachstums für die deutsche Landwirtschaft. Um der enormen Nachfrage gerecht werden zu können, verwendete man neueste Technologien bei der Entwicklung und dem Umbau des Anwesens und der Gebäude. Hierdurch wurde Bröllin zu einer der modernsten landwirtschaftlichen Produktionsanlagen der damaligen Zeit in der Region. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Gebäude sowie die Schnapsbrennerei stammen aus dieser Zeit.

Während des Auftaktworkshops am 29. und 30.Mai 2017 soll ein Veranstaltungsprofil herausarbeitet werden, das zeitlich und thematisch verschiedene Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung in der Region bis in die Gegenwart erfasst.  Es sollen mehrere Fachworkshops folgen, die mit Ausstellungen, Filmaufführungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen ergänzt werden.
Wir wollen hinterfragen wie sich die Zivilgesellschaft in der Region in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat. Es geht außerdem um die geologisch/ökologischen Voraussetzungen und die Gestaltung einer Kulturlandschaft, deren wirtschaftliche Verwertung die Grundlagen für die Daseinsvorsorge der Menschen vor Ort und damit die Basis für ein zivilgesellschaftlich organisiertes Gemeinwesen schuf. Mit der industriellen Revolution und den wirtschaftlichen Folgen für den ländlichen Raum geriet die Zivilgesellschaft unter Druck. In dieser Zeit entstanden neue innovative Ansätze der sozialwirtschaftlichen Gestaltung des ländlichen Lebens. Aus einem neuen Bürgerbewusstsein heraus entwickelten sich Selbstbestimmung und soziale Verantwortung für das Gemeinwesen, um den Herausforderungen der industriellen Revolution begegnen zu können.

Im Rahmen dieser ersten Veranstaltung eröffnet auch die Ausstellung „Mecklenburgische Herrenhäuser im Wandel der Zeiten“ am 29.05.
Rundgang und Einführung mit Frau Prof. Dr. Sabine Bock, Architekturhistorikerin, Schwerin.
Die Stiftung Mecklenburg besitzt eine ca. 200 Fotografien umfassende Sammlung von Gebäudeabbildungen, v.a. Gutshäuser, angefertigt im späten 19. Jahrhundert durch das Hamburger Atelier August Mencke.
Mit einer Auswahl zeigt die Ausstellung die Gutsanlagen im Wandel der Zeit.Die historischen „Mencke-Fotos“ werden dabei in den Kontext aktueller Fotografien und inhaltlicher Erläuterungen gestellt. Ziel ist es, Prozesse darzustellen, die aufzeigen, wie die Kulturlandschaft Mecklenburgs durch diese Häuser geprägt wurde, welchen Stellenwert sie heute innehaben. Inzwischen war die Ausstellung vielfach zu sehen: Mirow, Neustrelitz, Ratzeburg, Schwerin, Teterow, Waren, Vogelsang und Rostock. In Ulrichshusen wird sie als ständige Ausstellung open air gezeigt.
Die Wanderausstellung ist bis zum 08.07. auf Schloss Bröllin zu sehen und soll die Menschen aus der Umgebung anregen sich mit der Regionalgeschichte Bröllins intensiv zu beschäftigen. Besuchszeiten Mo.-Fr. 08:30-16:00 und nach Absprache. Bitte rufen Sie an Tel:+49 (0) 39747-5650-21

 

Eine Initiative von Forum 65+ in Zusammenarbeit mit dem schloss bröllin e.V., gefördert durch Arbeit und leben. Die Ausstellung „Mecklenburgische Herrenhäuser im Wandel der Zeiten“ ist eine Initiative der Stiftung Mecklenburg, gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern.